Ökologisches Handeln

      Ökologisches Handeln

      Liebe Mitforistinnen und Mitforisten,

      ich hatte gestern auf einer Geburtstagsfeier (mal wieder) ein sehr interessantes Gespräch mit aufgeschlossenen Freunden und Nachbarn über die Entwicklung, in der sich unsere Gesellschaft befindet. Es ging dabei hauptsächlich um die Konsumgesellschaft, die industrielle Landwirtschaft und die schmutzige Seite der Kleidungsindustrie.

      Wie, nach meinen bisherigen Erfahrungen, immer kamen wir zu dem Schluss: "Jetzt wo wir wissen, was unserer Meinung nach, falsch läuft: Was tun wir denn im täglichen Leben dagegen?"

      Daraufhin mussten wir alle gestehen, dass wir selbst nicht so konsequent sind, wie wir es uns wünschen würden. Auch die üblichen Beschwichtigungen wurden genannt: "zu wenig Geld", "der Alltag ist auch so stressig genug", "den ganzen Siegeln und Auszeichnungen ist eh nicht zu trauen" usw.

      Ich bemühe mich seit Monaten um ein Leben, das weniger negativen Einfluss auf die Natur hat. Ich nutze Ökostrom, fahre mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit, kaufe biologisch erzeugte Produkte, esse weniger Fleisch als früher, lasse Wasser nicht mehr einfach so laufen, versuche den Garten tierfreundlich zu gestalten etc.
      Ich komme aber immer wieder zu dem schlechten Gewissen: Da ginge noch weitaus mehr! Und als in Sackleinen gehüllter Einsiedler will ich auch nicht enden. Schon alleine, dass ich jetzt wieder am Laptop sitze, ist bereits Grund genug, wieder ein schlechtes Gewissen zu haben. Mache ich mich unnötig verrückt? Wieviel Verzicht ist zumutbar?

      Daher würde ich gerne mit Euch über Eure Erfahrungen und Eure Ansichten dazu sprechen. Welche Veränderungen Ihr vorgenommen habt, um im täglichen Leben der Göttin und auch den Ausgebeuteten zu helfen? Wo zieht Ihr Eure persönlichen Grenzen, was lässt sich nicht wirklich umsetzen?

      Es geht hier nicht darum, jemanden "an den Pranger" zu stellen oder sich selbst zu "beweihräuchern", sondern ich hoffe wirklich auf Inspiration und vielleicht die eine oder andere konstruktive und praktikable Lösung von Alltagsdilemmata.

      Vielen Dank für Euer Interesse an diesem Thema.
      Das ist so eine schwere Frage!
      Ich gebe mir auch Mühe, aber manchmal scheint es mir zu wenig zu sein ...
      Was ich damit sagen will, ich kenne das Gefühl, das du beschreibst.
      Ich gehe also quasi so damit um, wie du.

      Vielleicht können wir hier ja Tipps sammeln. Hattest du an so etwas gedacht?
      In diesem Dilemma steckt wohl jeder, der nachdenkt.
      Ohne Auto geht es hier am Land nicht, aber ich bündele die Fahrten, z.B. bei dm einkaufen und zum Wertstoffhof fahren.
      Sowohl Second-Hand-Läden als auch der nächste Bioladen und der Tierarzt sind weit weg.

      Ich habe nachgedacht. Ich glaube, wenn jemand 100%ig seine Überzeugung leben will, muss er sich einer größeren Gruppe anschließen, je nachdem z.B. Kloster, Öko-Dorf, Amish people, andererseits Silikon Valley oder corporate America. Aber auch in solchen Gruppen ist nicht alles Wonne und Waschtrog.
      Wir leben in einer mehr oder minder vorgegebenen Umwelt und sollen einfach da unser Bestes geben und auch einmal zu uns sagen, "ja, ich bin/wir sind gut, denn wir haben unser Hirn eingeschaltet und schon eine Menge bewegt." Das stimmt. Es ist noch nicht so lange her, da waren die Umweltschützer grüne Spinner in lila Latzhosen und heute gehört es zum guten (Wirtschafts)ton, z.B. Plastiktüten zu verbannen. Nur ein kleiner Mückenschritt, aber immerhin.
      Hallo zusammen,
      ja ein sehr schwieriges Thema, mir geht es auch die meiste Zeit so, dass ich weiß es ist bei Weitem nicht genug was ich tue.
      Aber ich versuche mein Bestes und das zählt, finde ich!
      Ich kaufe nach wie vor oft in Secondhand Läden, versuche Plastik zu vermeiden wo es geht, fahre mit dem Fahrrad oder den Öffentlichen. Ernähre mich wenn irgendmöglich Bio und Regional usw.!

      Ich finde auch, jeder kleine Schritt zählt und wenn das viele machen, dann wirkt das auch.

      Allen einen schönen Dienstag.
      Angelika
      Gut zu wissen, dass es Euch ähnlich geht. Sicher ist niemand eine Insel, wir leben alle in einem Kontext, der es uns mal leichter, mal schwieriger macht zu unseren Überzeugungen zu stehen und unseren Alltag verträglicher für die Welt zu gestalten.

      Konkrete Maßnahmen oder Hilfestellungen sind, so denke ich mir, nicht nur für mich hilfreich. Ich z.B. wusste gar nicht, wo ich anfangen sollte und hätte mir da auch Hilfe gewünscht. Denn es gibt so viele Ratgeber und mahnende Blogs und was es noch so gibt, dass man auch schnell die Lust verliert, da es einen geradezu erschlägt.

      Vielleicht machen wir eine Sammlung von kleinen Alltagstips auf, damit Interessierte sich Anregungen holen können und wir uns gegenseitig inspirieren?
      Also, ich bin ja nun schon etwas älter und habe die neue ökologische Bewegung sozusagen von Anfang an miterlebt und muss sagen - es ist soooo kompliziert :S
      ​Ich kann mich an die lebhaften Diskussionen darüber erinnern, wie man die Ökobilanz einer Plastiktasche mit der einer Papiertüte vergleichen kann - es war so kompliziert, aber es sprach letztlich mehr für die Plastiktasche, so dass schließlich Konsens darüber zu erreichen war, dass Jute statt Plastik oder Papier die beste Entscheidung war (und ist)... und eigentlich ist das so eine "Faustregel" für mich geworden für Anschaffungen: Langlebige Produkte werden Wegwerfartikeln vorgezogen (ich habe Kochlöffel aus Holz, Küchengeräte und Geschirr, das teilweise älter ist als ich, nur mal als Beispiel) und Sachen werden so lange benutzt, bis sie kaputt sind.

      Die letzten Jahre habe ich mich intensiv mit Volkswirtschaftslehre (Österreichische Schule der Ökonomie) beschäftigt und gelernt, dass man verallgemeinert sagen kann: Vorausgesetzt, man rechnet eventuelle staatliche Subventionen und Strafsteuern raus und beachtet die Lebenszeit des Produktes, sind innerhalb einer Warengruppe diejenigen am teuersten, die am meisten Ressourcen verbrauchen. Aus dieser einfachen Erkenntnis heraus kann man ableiten, welche Produkte den geringsten ökologischen Fußabdruck hinterlassen. Und dann muss man leider nochmal genauer hinschauen...

      ​Beispiel aus dem Leben:
      Wohnzimmertisch: Nachdem mein Wohnzimmertisch von Ikea nach wenigen Jahren total hinüber war, wäre es ressourcenschonender gewesen, wieder einen billigen Ikea Tisch zu kaufen. Stattdessen haben wir jetzt einen Tisch von einem befreundeten Tischler. Der war natürlich wesentlich teurer, es sind nämlich auch wesentlich mehr Ressourcen hineingeflossen, allerdings hauptsächlich in Form von Arbeitszeit (und ein Teil für das Holz, das allerdings aus einheimischer Produktion ist) und hier ist für mich klar, das dies sinnvoller ist, als alle paar Jahre einen billigen Tisch zu kaufen. Wie die Preis/Nutzungszeit Bilanz aussieht, weiß ich nicht .. selbst 10 Ikea Tische der Art, wie ich sie hatte, wären wahrscheinlich billiger = ressourcenschonender. Da kommt man halt nicht drum herum, selber Prioritäten zu setzen und ich unterstütze gerne Handwerker, weil die nämlich sonst aussterben.

      Biolebensmittel: Habe ich begonnen im Garten selber anzubauen (das reicht noch lange nicht, wird aber jedes Jahr mehr, ich bin Anfänger im Gärtnern..). Ansonsten kaufe ich Bio eher selten. Streuobstwiesen Obst halte ich für ökologisch wertvoll, vorausgesetzt, es wird nicht (wie oft üblich) der Boden mit Kupfer totgespritzt. Aber sonst - habe ich nur Vertrauen zu Demeter und auch da muss ich sagen, überwiegen die Nachteile für mich. Meine Priorität sind zwei Punkte, die sich ergänzen: a) Mehr Platz für Wildnis und b) Nahrung die für alle erschwinglich ist. Bio Lebensmittel sind teurer, weil sie mehr Ressourcen verbrauchen. Sie brauchen mehr Landschaft wegen der völlig normalen Ernteausfälle (dies Jahr waren es vor allem Pilze, wer da nicht mit Fungiziden am Werk war, hatte teilweise Totalausfälle; aber 30-50 % geringerer Ertrag als nicht Bio ist normal), mehr Arbeitskräfte, die ansonsten anderswo produktiv sein könnten, mehr Energie für die Lagerung und wiederum wird mehr davon weggeworfen, weil die Sachen nicht so lange halten (eine Frage der bestehenden Krankheiten und mangelhafter Konservierung).
      ​Dann gibt es da aber auch wieder Ausnahmen, zum Beispiel Fleisch aus Weidehaltung, Landschaftspflegende Rinder, Schweine und Schafe, die nicht mal "Bio" sein müssen (weil das Bio Zertifizierungsverfahren inzwischen auch recht teuer ist und manche Landwirte ihre Tiere auch nicht mit Krankheiten quälen wollen, die mit Antibiotika gut zu behandeln sind).

      ​So, jetzt habe ich mich genug als Ketzerin geoutet (mit Dual Fluid Reaktoren oder aus Meerwasser gewonnenem Uran will ich lieber gar nicht erst anfangen .. Uups) - aber ihr seht, es ist wirklich kompliziert, jeder muss selber forschen und nachdenken und zu eigenen Schlüssen kommen! Ich glaube, es gibt keine allgemeingültigen Rezepte, den Ökologie ist ein sich immer weiter entwickelndes junges Forschungsgebiet.

      lg
      farnblüte
      Aum Hrim Shrim Klim Adya Kalika Parameshavari Svaha